Über den Tellerrand hinausblicken für eine bessere Umwelt
Ein unvoreingenommener Blick. Sich nicht von vornherein durch alle möglichen formalen Hindernisse einschränken lassen. Und eine ordentliche Portion Querdenken. Damit sind drei Zutaten für ein wirkungsvolles Rezept genannt. Diese Zutaten haben Masterstudenten der Architektur an der Universität Hasselt für ihre Abschlussarbeiten über die Beziehung zwischen dem Einstein-Teleskop und der Umwelt reichlich genutzt. Und das macht Lust auf mehr.
Titel
Einige Monate des Studiums zu diesem Thema lieferten spannende Ergebnisse mit neugierig machenden Titeln wie Ligne 38, Back on Track, Unearthed Future, From Waste to Wetlands, Soil as a Sensor of Feeling the Unseen.
Zentrale Fragen: Wie lässt sich das Teleskop am besten in die Umgebung integrieren, in der es gebaut wird? Welche Chancen bietet das möglicherweise noch für diese Umgebung? Mit Blick auf Nachhaltigkeit und den nachhaltigen Wandel, den die Landschaft ohnehin schon durchläuft.
Die Arbeiten werden in die Suche nach Lösungen für Fragen der Machbarkeit, der Konzeption, des Baus und der Zeit nach dem Bau des Einstein-Teleskops einbezogen.

Einfühlen
Die sechs Arbeitsgruppen haben kürzlich ihre Ideen vorgestellt. Diese wurden nicht hinter dem Schreibtisch ausgearbeitet, sondern basieren meist auf Gesprächen mit den Bewohnern des Suchgebiets und der Erfassung dessen, was ihnen wichtig ist. Gespräche oder eine Umfrage an leicht zugänglichen Orten wie der Frittenbude, der Dorfkneipe oder der Bibliothek. Und natürlich durch die Erkundung der Umgebung als Student. Nicht nur durch Beobachten oder Analysieren, sondern auch durch das „Erleben” der Landschaft. Durch Spazierengehen, Fühlen, Riechen oder Schmecken in dieser Umgebung. Die wallonische Gemeinde Plombières hatte übrigens die größte Anziehungskraft bei der Auswahl des Ortes für Themen.
Fahrradverbindung
Was ist mit der Ligne 38: einer Kombination aus Geschichte, Mobilität und Wissenschaft. Erinnerungen an die Eisenbahnverbindung Lüttich-Plombières, aber bald mit einer Fahrradverbindung für diese Strecke. Mit alten Eisenbahnwaggons als Rastplätze, als Standort für einen Fahrradverleih und um in aller Ruhe den Geräuschen der Gravitationswellen zu lauschen, die das Einstein-Teleskop entdeckt hat.

Bahnhof Montzen
Eine andere Gruppe legte den Schwerpunkt ausdrücklich auf Plombières. Gemeinsam mit befragten Einwohnern dachte sie über eine neue Zukunft für den Bahnhof in Montzen (Plombières) nach. Das Ergebnis: Die Fertigstellung des Einstein-Teleskops könnte nach einer Bauphase zu einem renovierten Bahnhof Montzen führen, wodurch das etwas abgelegene Plombières wieder zu einem Verkehrsknotenpunkt wird und seine zentrale Funktion für die Region zurückgewinnt.
Wasser
Was kann man mit dem Wasser machen, das voraussichtlich aus dem Boden gewonnen wird? Mögliche Antworten: Es kann zum Heizen von Häusern in der unmittelbaren Umgebung, zur Bewässerung in der Landwirtschaft, zum Kühlen von Elementen im Teleskop selbst oder zur Trinkwassergewinnung verwendet werden. Eine Gruppe von Studenten konzentriert sich auf die natürliche Reinigung des Wassers, beispielsweise mit Sumpfpflanzen. Eventuell vorhandene Schwermetalle werden aus dem Wasser gefiltert, was mikrobiologische Prozesse verstärkt und zu mehr Biodiversität führt. Das Wasser kann nach der Reinigung in sumpfartigen Gebieten gespeichert werden. Eine Idee, die auch der Region einen ökologischen Schub verleiht.

Neues Leben
Es geht nicht nur um Wasser, sondern auch darum, wie die ausgebohrten Böden sinnvoll genutzt werden können. Wie gibt man Böden ein neues Leben? Ausgangspunkt ist eine ökologisch und sozial sinnvolle Nutzung. Optionen laut einer der Gruppen: Verwendung für den Bau des Einstein-Teleskops selbst, aber auch für den Wohnungs- oder Straßenbau, die Deichverstärkung oder die Anlage von Natur- und Erholungsgebieten. Auch ein Wissenszentrum, in dem Forscher, Studenten und „Bodenfachleute” den gesamten Prozess des Bodens verfolgen können, wäre eine sinnvolle Option.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Während die Nutzungsmöglichkeiten für diese Flächen regelmäßig mit einiger Besorgnis betrachtet werden, kann man sie auch durch eine optimistische Brille betrachten. Zum Beispiel, indem man diesen Flächen eine neue Rolle in der Landschaft zuweist. Eine Arbeitsgruppe ging von unterirdischen Bruchlinien im Boden von Plombières aus, die bestehende Wanderwege kreuzen. Durch den Bau von drei Pavillons, die nicht zufällig in einem Dreieck angeordnet sind, spiegeln diese auch räumlich das unterirdische Einstein-Teleskop wider. Der neue Weg, der so entsteht, wird zu einer „Reise” der Beobachtung, der Begegnung und der Bewusstwerdung. Während des Wanderns erzählt die Landschaft ihre Geschichte der (Bergbau-)Vergangenheit, die Geschichte des Wanderns in der Gegenwart und die Geschichte der Zukunft durch das Einstein-Teleskop.
Intuition und Wahrnehmung
Wie kann man anders wahrnehmen? Eine schwierige Frage, insbesondere wenn es um unsichtbare, nicht fühlbare Gravitationswellen geht. Ein intuitiverer Spaziergang kann helfen. Zum Beispiel, indem man über nasses Gras oder schlammigen Boden läuft und auf Geräusche oder deren Abwesenheit achtet. Das regt das Bewusstsein an. Die Studenten, die das Projekt „Feeling the Unseen” ins Leben gerufen haben, möchten damit einen Dialog darüber anstoßen, was das Einstein-Teleskop über den rein wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Aspekt hinaus bedeuten kann. Das unterirdische Teleskop als Impulsgeber für neue Erfahrungen, als Verbindungsglied zwischen Ihren Sinnen.


