Viele Reisen und ein wunderbarer Traum
Als ich vor etwas mehr als anderthalb Jahren gebeten wurde, die Wallonie im Rahmen des Projekts Einstein Teleskop zu vertreten, musste ich nicht lange überlegen. Ich war als Leiter der Abteilung für Forschung und Innovation im französischsprachigen belgischen Außenministerium tätig, das auch unter dem Namen Wallonie-Brussels International bekannt ist. Zunächst ging man davon aus, dass ich beide Rollen unter einen Hut bringen könnte. Aber wenn ich mich schon auf etwas festlege, möchte ich mich auch voll und ganz darauf konzentrieren. Mir wurde schnell klar, dass das auch für das Teleskop-Projekt eigentlich eine Grundvoraussetzung ist.
Ich genieße die offene Zusammenarbeit jeden Tag aufs Neue. Während sich die Welt verändert – mit zunehmendem Protektionismus und immer mehr geschlossenen Grenzen –, bietet das Einstein Teleskop einen Lichtblick am Ende des Tunnels. So wie die Ernährung für das körperliche Wohlbefinden wichtig ist, wirkt sich die Mitarbeit an einem positiven und vielversprechenden Projekt wie dem Einstein Teleskop, bei dem es um Zusammenarbeit und Spitzenforschung geht, sehr positiv auf das geistige Wohlbefinden aus. Es ermöglicht uns, Negativität hinter uns zu lassen und in eine strahlende Zukunft zu blicken.
Mir wurde kürzlich gesagt, dass ich für das Einstein Teleskop ziemlich viele Aufgaben übernehme. Das stimmt zwar, aber es bedeutet auch, dass ich viele verschiedene Dinge miteinander verbinden kann. Die Wallonie kam etwas später dazu, etablierte sich aber rasch. Die wallonische Taskforce mit Sitz in Lüttich beauftragte mich, an den Sitzungen der Leitung des Projektbüros in Maastricht teilzunehmen. Dies ist wichtig, um sicherzustellen, dass unsere Strategien aufeinander abgestimmt sind. Und in der Zwischenzeit helfe ich bei der Erstellung des Bid Book.

Die komplexe Governance-Struktur des Projekts hat mich ziemlich überrascht. Wahrscheinlich ist das nicht weiter verwunderlich, wenn man mit so vielen Partnern zusammenarbeitet, aber es kann manchmal eine gewisse Herausforderung darstellen. Andererseits ist es auch eine Stärke: Sicherlich hat jeder seine eigenen Interessen, doch diese treten hinter dem gemeinsamen Ziel zurück. Es ist motivierend, einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.
Ich bin jemand, der Veränderungen liebt. Außerdem reise ich sehr gerne. Die Hälfte meines Berufslebens habe ich im Ausland verbracht, darunter sieben Jahre in Zusammenarbeit mit dem CERN in der Schweiz. Als Beauftragter für Wissenstransfer in Belgien habe ich dort spezifisches Fachwissen erworben, das mir jetzt sehr zugute kommt. Im Rahmen der ET-Arbeitsgruppe für internationale Partnerschaftsstrategie organisieren wir Treffen mit Menschen aus der Wissenschaft, Politik und Verwaltung, um den enormen Mehrwert dieses Projekts in der EMR-Region aufzuzeigen. Entweder besuchen wir sie oder wir laden sie hierher ein. Es ist toll, dass wir den ETpathinder in Maastricht und den ET Cristal in Lüttich haben: Das bedeutet, dass wir schon etwas vorzuweisen haben!
Wissenschaft und Industrie sind natürlich sehr wichtig, aber ich bin auch gespannt, welche Bedeutung das Einstein Teleskop für die Region selbst haben wird. Wie wir umweltbewusst bauen können. Wie wichtig die Absichtserklärung für die Hochschulen im Hinblick auf die Bildung ist. Und die Zusammenarbeit zwischen elf Fachhochschulen über die Grenze hinweg. Pläne für Ausstellungen. Vielleicht wird es in der Nähe sogar ein Besucherzentrum geben. Das sind doch alles fantastische Möglichkeiten, oder?
Ich bin viel unterwegs, aber ich versuche, am Wochenende und meistens auch montags zu Hause bei meiner Frau und unseren drei Kindern zu sein. In diesem Beruf klappt das nicht immer. Aber der Job hat mir auf jeden Fall einen Traum erfüllt. Unsere jüngste Tochter ist jetzt zwei Jahre alt. Es wird natürlich noch eine Weile dauern, aber wie toll wäre es, wenn sie eines Tages auch für das Einstein Teleskop arbeiten könnte.“
Über Vassil Kolarov
Vassil Kolarov ist über Wallonie-Brussels International in verschiedenen Funktionen als Attaché für das Einstein Teleskop tätig. Als Mitglied der wallonischen ET-Taskforce gehört er dem Projektleitungsausschuss (POD) an und ist aktiv an der Erstellung des Bid Book beteiligt. Als Mitglied der ET-Arbeitsgruppe für internationale Partnerschaftsstrategie reist er ausgiebig durch Europa, um Wissenschaftler:innen und Entscheidungsträger:innen von der EMR-Bewerbung zu überzeugen. Darüber hinaus ist Vassil ein gefragter Ansprechpartner innerhalb der Expertengruppe Valorisierung & Wirkung.