Das Einstein Teleskop lässt einen nie ganz los
Seit gut zwei Monaten bin ich nun als Geschäftsführerin des Projektbüros Einstein Teleskop EMR an Bord. Unglaublich, was für ein Projekt! Es gibt so viele Dimensionen: die wissenschaftliche Komplexität, die technischen Herausforderungen, die verschiedenen Länder und Kulturen. Und natürlich die riesige Zahl begeisterter Menschen. Sie alle haben das Ziel, in dieser Region den innovativsten Detektor zu errichten, mit dem wir weiter ins Universum blicken können als je zuvor.
Ich habe schon einige ziemlich komplexe Projekte mit sehr vielen verschiedenen Beteiligten geleitet, aber das Einstein Teleskop ist die Champions League.
Physiklehrerin
Während meines Studiums der integrierten Wasserwirtschaft an der Universität Wageningen belegte ich einen Kurs über Einsteins Relativitätstheorie. Es war einer meiner Lieblingskurse, und ich bedauerte sofort, dass ich nicht Physik studiert hatte. Abgesehen von einer kurzen Zeit als Physiklehrerin an einer weiterführenden Schule habe ich mich nie wieder damit beschäftigt. Bis unser Teleskop meinen Weg kreuzte. Das ist nicht die einzige Verbindung: Meine Tochter studiert Astronomie und arbeitet im Rahmen ihrer Masterarbeit an dem Projekt LISA (Laser Interferometer Space Antenna) mit, das zur Europäischen Weltraumorganisation ESA gehört. Das bedeutet natürlich, dass zu Hause regelmäßig von Gravitationswellen und vom Einstein Teleskop die Rede ist. Ich habe meine Tochter schon einmal um Hilfe gebeten, um zu erklären, wie das noch einmal genau funktioniert.
So viele Möglichkeiten
Bevor ich anfing, lag ein riesiger Stapel Berichte vor mir, in die ich mich erst einmal einarbeiten musste. Was mich besonders faszinierte, war der Bericht des flämischen Forschungsinstituts Econopolis. Im Auftrag der flämischen Regierung untersuchte das Institut im vergangenen Jahr, welchen Nutzen das Einstein Teleskop neben rein wissenschaftlichen Erkenntnissen noch bietet.
Econopolis kommt zu dem Schluss, dass das Einstein Teleskop so viele Chancen bietet, wie Flandern noch nie zuvor hatte und auch in Zukunft nie wieder haben wird. Und das gilt nicht nur für Flandern. Wenn wir gut zusammenarbeiten, ergeben sich so viele Chancen und Möglichkeiten. Grenzüberschreitendes Denken und Handeln sind der Schlüssel zum Erfolg. In diesem Projekt gibt es keine Niederlande, kein Flandern, keine Wallonie und kein Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam sind wir Einstein Euregio Maas-Rhein!
In der Praxis jedoch gestaltet sich die Sache manchmal schwieriger, muss ich zugeben. Es ist nicht so einfach oder selbstverständlich, wie es vielleicht scheint, alle immer wieder auf einen Nenner zu bringen, und schon gar nicht, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.
Was werden wir entdecken?
Spannend finde ich auch, dass wir noch nicht wissen, was wir alles entdecken werden. Wir werden mehr über die Entstehung von Galaxien, Materie und möglicherweise sogar über die ersten Augenblicke nach dem Urknall erfahren. Aber wahrscheinlich werden wir auch neue physikalische Phänomene entdecken, die derzeit noch unbekannt sind. Hinzu kommen die Spin-offs der Technologien, die derzeit entwickelt werden und die zweifellos auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können. Was genau? Das bleibt abzuwarten. Schließlich wissen wir nicht, was wir noch nicht wissen.
Im Projektbüro sind wir auf dem besten Weg, die Machbarkeitsphase abzuschließen, und wir arbeiten inzwischen bereits am Bid Book. Bei einigen Punkten ist das nicht einfach, da auf europäischer Ebene noch eine ganze Reihe von Entscheidungen getroffen werden müssen.
In der Ferne die Ziellinie
Wenn ich mir die Mitarbeitenden im Projektbüro anschaue, sehe ich äußerst engagierte Kolleg:innen, die sehr hart arbeiten. Die sich nicht unterkriegen lassen, wenn es mal nicht so läuft. Denn auch das ist logisch und gehört zu einem Projekt, das noch nie zuvor durchgeführt wurde. Es geht nicht von selbst, aber Schritt für Schritt kommen wir voran und sehen in der Ferne die Ziellinie.
Doch bevor es soweit ist, gehen die meisten Kolleg:innen erst einmal für ein paar Wochen in den Urlaub. Notwendig und hochverdient. Ich rate ihnen daher, das Projekt vorübergehend aus ihrem Kopf zu streichen. Vielleicht wider besseres Wissen, denn inzwischen merke ich es selbst auch: Das Einstein Teleskop lässt einen nie ganz los.

Over Anne Ubbels
Anne Ubbels nahm im April ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin des Projektbüros Einstein Teleskop EMR auf. Sie ist eine erfahrene Führungskraft, die an komplexen Projekten im physischen Bereich arbeitet. Anne hatte verschiedene Positionen im öffentlichen Sektor inne. Anschließend war sie bei der Unternehmensberatung Berenschot als Managing Consultant und später als Managing Director tätig. Im Jahr 2017 machte sie sich unter dem Namen Ubbels+Langerak selbstständig.


