Einstein Telescope verbindet Wissenschaft und Kunst
Als Marijke Beckers vor einigen Jahren beschloss, ihre Arbeit als Fotografin und Grafikdesignerin durch ein Masterstudium der Fotografie zu vertiefen, war die Wahl des Abschlussprojekts schnell getroffen: eine fotografische Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst herzustellen. Bausteine: das Fassbare des Phänomens „Zeit“, aufgehängt am Einstein Telescope.

Magisch
„Es ist kaum zu begreifen, diese Zeit. Ich habe mich schon immer für Wissenschaft interessiert. Schwarze Löcher, kollidierende Sterne – und dann stößt man auch auf die Krümmung von Raum und Zeit. Dass das Einstein-Teleskop bald viel mehr und bessere Gravitationswellen messen und unser Wissen darüber weiterbringen wird, ist fast magisch“, sagt Marijke.
Um diese Faszination in ihrer Abschlussarbeit in Fotografie umzusetzen, war sie bereits zu Gast an der KU Leuven, wo mit der Beschichtung von Spiegeln experimentiert wird. Außerdem fotografierte sie bei der Firma Werkhuizen Hengelhoef in Genk. Das ist einer der Partner, die im Konsortium Beampipes4ET an Vakuumtechnologie für das Rohrsystem arbeiten.

Aubel
Schon als Kind war Marijke Beckers von Steinen fasziniert. Denn diese erzählen etwas über die Zeit. Und noch immer hat Marijke, genau wie ihre Kinder übrigens, einen Stein in ihrer Jackentasche.
Teil ihrer Suche waren Besuche einer Tiefbohrung vor Ort und im Corehouse in Aubel, wo die Bohrkerne aus Tiefbohrungen gelagert, inventarisiert und natürlich untersucht werden. „Ich war zweimal dort. Das erste Mal auf Einladung des Geologen Rudy Swennen. Der konnte so spannend darüber erzählen, dass eigentlich keine Zeit mehr blieb, um richtig zu fotografieren. Zum Glück durfte ich noch einmal zurückkommen. Da war der Hydrogeologe Bjorn Vink da, der genauso begeistert war. Das hat schöne Bilder ergeben.“
Das Tüpfelchen auf dem i
Als ihren spannendsten Studienbesuch empfindet Marijke den beim ETPathfinder in Maastricht: „Dort hat mir Jurgen van Gorp alles erklärt. Es ist nicht nur unglaublich, was man dort sieht. Wenn man dann auch noch so eine fachkundige und begeisterte Erklärung dazu bekommt, wie Jurgen sie gegeben hat, dann ist der Tag rundum gelungen!“
Inspiration
Nicht nur das Universum selbst, das Phänomen „Zeit“ oder Menschen wie der Leuvener Kosmologe und Professor Thomas Hertog inspirieren Marijke. Auch das Buch Die Wirklichkeit ist nicht, was sie scheint von Carlo Rovelli tat dies. Rovelli erklärt, wie sich unser Verständnis der Wirklichkeit im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Sein Buch bietet eine neue Sicht auf das Universum mit Ideen über Paralleluniversen und Kosmologie ohne Urknall.

Kunstbuch
Die Abschlussarbeit für ihren Master an der LUCA School of Arts in Genk muss bis Juni fertig sein. Marijke wird sie im Eigenverlag als Kunstbuch herausbringen. „Das Buch wird ein selbstveröffentlichtes Werk sein, mit drei Erzählebenen. Eine wissenschaftliche Ebene, eine Ebene, die sich dem geologischen Aspekt nähert, und eine metaphysische Ebene, die alle durch das Thema Zeit miteinander verbunden sind. Es geht um meine Reflexion über Wissenschaft und Kunst. Die Art und Weise, wie sich das manifestiert, ist unterschiedlich, aber bei beiden hat man es mit einer besonderen Neugier zu tun. Die habe ich auch, und deshalb möchte ich diese Verbindung herstellen.“
Geologie
Dass Marijke dies zum großen Teil über die Geologie des Bodens tut, auf dem das Einstein-Teleskop landen soll, ist nicht verwunderlich. „Wenn man sich so einen Bohrkern ansieht und sich bewusst wird, dass ein solches Gestein Millionen Jahre alt ist, kommt dieses Phänomen ‚Zeit‘ wieder zum Vorschein. Was erzählt einem so ein Stein? Man beschäftigt sich immer wieder damit. Darum geht es auch im dritten Teil: um meine eigene metaphysische Erfahrung während dieses Projekts.“
Fortsetzung
Es wird ein Buch erscheinen, und ihre Arbeiten sind demnächst im Kulturzentrum von Hasselt im Rahmen einer Gruppenausstellung vom 19. bis 21. Juni zu sehen. Wenn es nach Marijke Beckers geht und sie irgendwo eine Fördermöglichkeit findet, bleibt es nicht dabei. „Ich betrachte dies als ersten Teil. Ich möchte damit weitermachen, denn es gibt noch so viel Interessantes zu entdecken.“



