Auch Chertal rückt als Logistikstandort für das Einstein-Teleskop in den Fokus
Einer der Standorte, die für die Bauphase des Einstein Telescope EMR von Interesse sind, ist Chertal – das weitläufige ehemalige Industriebrachgelände nördlich des Ballungsraums Lüttich.
Der Transport
Chertal gehört zu den Standorten, die im Rahmen der Voruntersuchungen des Projektbüros Einstein Telescope EMR als mögliche Option geprüft wurden. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass das Bahngelände in Montzen ebenfalls als wichtiger Logistik-Hub für die Zwischenlagerung und Verarbeitung von Materialien sowie für den Schienentransport dienen könnte. Dadurch wird der Transport nachhaltiger als bei einer ausschließlichen Nutzung von Lastkraftwagen. Für die Anwohner bedeutet dies zudem weniger Lkw-Verkehr auf den örtlichen Straßen.
Dank der großzügig verfügbaren Flächen könnte ein Standort wie Chertal während der Bauphase verschiedene unterstützende Funktionen übernehmen, darunter Lagerflächen, Vorfertigungs- und Vormontagearbeiten sowie temporäre Anlagen, die für die Organisation eines Bauprojekts dieser Größenordnung erforderlich sind.
Der Verkehrsknotenpunkt
Chertal, einst ein bedeutender Standort der Lütticher Stahlindustrie, ist ein großes Industrieareal zwischen Herstal und Oupeye. Es liegt an der Maas und in unmittelbarer Nähe des Albertkanals sowie wichtiger europäischer Verkehrskorridore, Eisenbahnverbindungen, Binnenwasserstraßen und Autobahnen.
Johan Rutten, Leiter Umwelt, Nachhaltigkeit und Stakeholder des Projektbüros, begrüßt die Einbeziehung von Chertal: „Genau wie Montzen könnte auch Chertal eine Rolle in dem nachhaltigen Logistikkonzept spielen, das wir entwickeln. Die Anbindung an Schiene, Autobahn und Wasserstraße macht den Standort selbstverständlich auch aus multimodaler Sicht besonders interessant. Wir möchten alle Möglichkeiten prüfen, um die Wiederverwendung und Aufwertung der Materialien, die wir aus dem Untergrund gewinnen, möglichst nahe am Projektstandort zu organisieren. Das gilt ebenso für die Herstellung der Bauelemente für die unterirdische Infrastruktur sowie für den späteren Transport der Detektorkomponenten des Einstein-Teleskops. Wo immer möglich, werden wir darauf achten, der lokalen Wirtschaft dabei größtmögliche Chancen zu eröffnen.“
Liège Trilogiport
Die Option Chertal fügt sich nahtlos in die Entwicklung der Logistikplattform Trilogiport in Visé ein, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Im Laufe der Jahre hat sich dieser Binnenhafen zu einem der wichtigsten multimodalen Logistikzentren Walloniens entwickelt, in dem Binnenschifffahrt, Schienen- und Straßenverkehr miteinander kombiniert werden. Auch die wallonischen Akteure haben ihre Unterstützung für die EMR-Bewerbung des Einstein Telescope bekundet und dabei die wirtschaftlichen, industriellen und technologischen Entwicklungschancen hervorgehoben, die ein solches Projekt für die Region mit sich bringt.
Wie bereits erwähnt, könnte auch das Bahngelände in Montzen eine wichtige Rolle im nachhaltigen Logistikkonzept für die Bauphase des Einstein-Teleskops übernehmen. Am 8. Juni erhielt das Projektbüro Einstein Telescope ein Unterstützungsschreiben von SNCB/NMBS und Infrabel, die die Nutzung des Standorts Montzen für das unterirdische Teleskop befürworten. Damit treten die Sondierungsgespräche zwischen den beteiligten Parteien in eine neue Phase.
Keine Entscheidung
Nach Angaben von Johan Rutten geht es nicht darum, sich zwischen Montzen und Chertal zu entscheiden, sondern vielmehr um eine nachhaltige Abstimmung verschiedener Logistikstandorte: „Es gibt mit Sicherheit noch weitere Optionen, die eine Rolle spielen könnten. Welche Standorte letztlich genutzt werden, hängt vom endgültigen Standort des unterirdischen Teleskops ab. Dieser steht derzeit noch nicht fest.“


