Chancen maximieren: Einstein Telescope als Dreieck oder als L-Variante
Die Taskforce „Einstein Telescope EMR“ hat das Projektbüro beauftragt, auch die Machbarkeit einer L-Konfiguration zu untersuchen. Hier einige Punkte im Überblick.
Bedeutet eine Untersuchung der Machbarkeit der L-Konfiguration, dass das Dreieck nicht mehr im Gespräch ist?
Nein, ganz im Gegenteil. Die ersten Ergebnisse der Rauschmessungen für die Dreieckskonfiguration sind kürzlich eingegangen, und diese Ergebnisse sind gut. Die Untersuchung der Dreieckskonfiguration wird wie geplant fortgesetzt und soll Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.
Und wie sieht es mit dem L aus?
Das ist ein Gravitationswellendetektor in L-Form anstelle eines Dreiecks. Indem zwei dieser L-Detektoren in großem Abstand voneinander aufgestellt werden, lassen sich Gravitationswellen messen. Der Unterschied besteht darin, dass ein Dreieck eigenständig Untersuchungen durchführen kann.
Warum dann doch noch eine L-Untersuchung in der Euregio Maas-Rhein?
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Europäische Einstein Telescope Organisation (ETO) das EMR-Projektbüro gebeten, neben der bereits laufenden Untersuchung zur Machbarkeit des Dreiecks auch ein L zu untersuchen. Die ETO hat diese Untersuchung angefordert, um beide Varianten gut vergleichen zu können. Daraus wurde damals eine Schreibtischstudie, um dem Dreieck Vorrang einzuräumen. Der kürzlich eingerichtete wissenschaftliche Beirat der EMR (SAC) hat im Juli 2026 empfohlen, die Schreibtischstudie zu einer vollständigen Machbarkeitsstudie auszuweiten. Durch die Ausweitung der Untersuchung maximiert die EMR-Region ihre Flexibilität und die Chancen, das Einstein Telescope in die EMR zu holen.
Wenn wir wissen, dass für ein L an einem anderen Standort noch ein weiteres L erforderlich ist, was bedeutet das dann?
Sollte am Ende aller Untersuchungen und Vergleiche die Schlussfolgerung lauten, dass ein L für die Euregio Maas-Rhein realisierbar ist, könnte dieses L in dieser Euregio aufgrund der erforderlichen größeren Entfernung vorzugsweise mit einem L-Standort auf Sardinien kombiniert werden.
Wie wird diese Untersuchung zum „L“ aussehen?
Das klärt das Projektbüro derzeit ab. Zunächst geht es um die physikalische Machbarkeit des „L“ in unserer Euregio. Wir untersuchen, wie die Bodenverhältnisse an den dafür in Frage kommenden und noch nicht untersuchten Standorten aussehen. Gleiches gilt für die Seismologie. In jedem Fall sind zusätzliche Bohrungen, technische Untersuchungen und Umweltstudien erforderlich.
Wo und wann wird das stattfinden?
Wie bereits erwähnt, erarbeitet das Projektbüro derzeit einen entsprechenden Vorschlag. Sobald die Bohrstandorte bekannt sind und Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümern sowie mit den Gemeinden und anderen Behörden getroffen wurden, werden wir dies selbstverständlich bekannt geben. Außerdem wird das Projektbüro dann Anwohner und andere Interessierte zu einer Informationsveranstaltung einladen, wie es bisher immer der Fall war.
Was bedeutet das für die Fristen, die ja doch Ende dieses Jahres ablaufen?
Wie bereits erwähnt, verläuft die Untersuchung zum Dreieck planmäßig und wird in diesem Jahr abgeschlossen. Zudem haben die Vorbereitungen für das Bidbook begonnen. Voraussichtlich wird im kommenden Frühjahr das europäische Auswahlverfahren eingeleitet. In der Zwischenzeit wird in der EMR die Untersuchung zur Variante „L“ gestartet.
Was spielt bei der Abwägung eine Rolle, welche Variante die Euregio Maas-Rhein letztendlich endgültig vorschlagen wird?
Derzeit trifft die EMR Vorbereitungen für die Einreichung eines Bidbooks für das Dreieck. Gleichzeitig wird die Machbarkeitsstudie für die L-Variante in Angriff genommen. Abhängig von den Ergebnissen der Machbarkeitsstudien und der Prioritätensetzung könnte auch ein 2L-Vorschlag gemeinsam mit Italien eingereicht werden. Im Oktober wird die europäische Einstein Telescope-Organisation (ETO) einen Vergleichsbericht für das Dreieck und für die 2L-Form veröffentlichen. Dies kann wichtige Einblicke in die internationale Präferenz liefern. Anschließend liegt es an den europäischen Ländern und den Ländern, die hinter dem EMR-Vorschlag stehen, eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Eine schwierige Entscheidung, wie es scheint?
Wir werden uns letztendlich für die vielversprechendste Option entscheiden. Zusammen mit der Forschung zum „Doppel-L in Zusammenarbeit mit Italien maximieren wir als EMR-Region unsere Chancen, das Einstein Telescope in diese Region zu holen. Das ist kein Prozess, der von heute auf morgen geschieht, sondern erfordert notwendige Abwägungen, um zu einer sorgfältigen Entscheidung zu gelangen.
Darüber hinaus sehen wir die enorme Dynamik, die in der Euregio Maas-Rhein entstanden ist und weit über den rein wissenschaftlichen Bereich hinausreicht. In der innovativen Wirtschaft arbeiten mittlerweile 100 Unternehmen an den Technologien, die für das Einstein Telescope erforderlich sind. Im Bildungsbereich wecken das ETEC (Einstein Telescope Centre), die Einstein Academy, Schülerführungen an Universitäten und Schulbesuche das Interesse an MINT-/STEAM-Bildung. Junge Menschen erkennen auf allen Ebenen die Chancen für eine Zukunft in wissenschaftlichen oder technischen Berufen.
Die laufende partizipative Untersuchung in der Suchregion zeigt, dass die Einwohner Interesse am Einstein-Teleskop haben, Fragen zu dessen Auswirkungen stellen, vor allem aber auch die Chancen erkennen, die es für die Zukunft ihrer eigenen Region bietet.
Eines wissen wir also mit Sicherheit: Wir wollen auf jeden Fall ein Einstein-Teleskop in die Euregio Maas-Rhein holen.
Bleibt die Frage: Wann?
Das lässt sich derzeit nicht genau sagen. Sorgfalt geht vor Geschwindigkeit. Wir wissen, dass die Standortwahl auf europäischer Ebene in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 erfolgen muss. Bis dahin muss also Klarheit herrschen.


