FAQ
Auf dieser Website erfahren Sie, was das Einstein-Teleskop ist und welche Möglichkeiten dieses unterirdische Observatorium für die Euroregion Maas-Rhein, für Belgien, die Niederlande und Deutschland und – im weiteren Sinne – für die Wissenschaft bietet. Wir haben die Antworten auf häufig gestellte Fragen hervorgehoben und Sie finden sie im Folgenden.
Was, wie und warum?
Ein endgültiger Entwurf muss noch von der europäischen Organisation festgelegt werden. Der Auftrag für das Projektbüro Einstein-Teleskop EMR in dieser Euregio sieht einen dreieckigen Tunnel mit Armen von (jeweils) 10 Kilometern Länge vor. Es handelt sich um ein unterirdisches Observatorium, das in einer Tiefe von 250 bis 300 Metern liegen wird. An den drei Eckpunkten werden unterirdische Räume/Kammern entstehen. Durch die 10 Kilometer langen Arme (die Tunnelröhren) laufen Laserstrahlen. Ein Laserstrahl wird in zwei Bündel aufgeteilt und an den Enden der Arme in den unterirdischen Räumen durch Spiegel zurückgeworfen. Von den drei Eckpunkten führt ein Aufzug bis zur Oberfläche. Über diese Schächte werden die Wartungsarbeiten im Tunnel durchgeführt und neue Innovationen eingebaut, sobald diese verfügbar sind.
Das Einstein-Teleskop wird den Wissenschaftlern bald einen unterirdischen Detektor (Observatorium) zur Verfügung stellen, mit dem Gravitationswellen untersucht werden können. Es wird erwartet, dass es dann möglich sein wird, bis kurz nach dem Urknall “zurückzublicken”. Diese Messeinrichtung, die zehnmal genauer ist als ihre Vorgänger, wird viele neue Informationen über den Ursprung unseres Universums liefern.
Zehnmal genauer bedeutet, dass tausendmal mehr Gravitationswellen gemessen werden können. Wo heute einmal pro Woche eine Gravitationswelle gemessen wird, kann das Einstein-Teleskop künftig hundertmal am Tag eine Gravitationswelle messen. Welche Informationen dies alles liefern wird und wohin es führen könnte, lässt sich nicht im Voraus sagen. Aber Wissenschaftler auf der ganzen Welt sind überzeugt, dass es eine Menge sein wird.
Wenn sich die europäischen Länder, die im ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures) zusammengeschlossen sind, einig sind, dass eine Forschungseinrichtung von großer Bedeutung für die Wissenschaft ist, wird der Plan für eine solche Einrichtung auf die so genannte ESFRI-Roadmap gesetzt. Dabei handelt es sich um eine europäische Prioritätenliste, in der die wissenschaftliche Gemeinschaft angibt, welche Projekte am wichtigsten sind. Dies sind auch die Projekte, für die das Geld der Wissenschaft verantwortungsvoll ausgegeben werden sollte. Europäische Wissenschaftler und Ministerien haben 2021 beschlossen, dass dieses Projekt auf der europäischen Roadmap steht und innerhalb von 10 Jahren realisiert werden soll.
Das lässt sich derzeit noch nicht sagen. Wir sind optimistisch, aber realistisch betrachtet befinden wir uns noch in der Machbarkeitsphase. Europäische Wissenschaftler und Ministerien haben 2021 beschlossen, dass dieses Projekt auf die europäische Roadmap (ESFRI) gesetzt und innerhalb von 10 Jahren realisiert werden soll. Diese Wissenschaftler – vereint in der Einstein Telescope Organisation (ETO) – und Ministerien – vereint in der BGR – arbeiten nun das Projekt und den weiteren Zeitplan für die Realisierung und die Standortwahl aus. Nicht nur unsere Euregio Maas-Rhein, sondern auch die italienische Insel Sardinien und das deutsche Sachsen möchten das Teleskop gerne bauen. In unserer Euregio wird unterdessen bereits intensiv an einem Bidbook gearbeitet, um die technische, organisatorische und finanzielle Machbarkeit nachzuweisen. Dieses Bidbook wird Ende 2026 fertiggestellt sein. Im Laufe des Jahres 2027 wird nach der aktuellen Planung auf europäischer Ebene die Standortwahl zwischen „unserem” Grenzgebiet in der Euregio Maas-Rhein, Sardinien und Sachsen getroffen.
Der Boden in dieser Region scheint für den Bau des Einstein-Teleskops geeignet zu sein. Für die Messung von Gravitationswellen ist es wichtig, dass so wenig Störgeräusche wie möglich in den Boden eindringen. Störgeräusche werden beispielsweise durch Schwerindustrie, Eisenbahnen oder Bergbau verursacht. Die weiche oberste Bodenschicht dämpft die vorhandenen Störgeräusche, und die darunter liegenden harten Gesteinsschichten scheinen für den Bau des Tunnels geeignet zu sein.
Wichtig ist auch, dass die größere Euregio über starke Forschungsinstitute und Hightech-Unternehmen verfügt, die die Wissenschaft und die Realisierung des Einstein-Teleskops ermöglichen. Denken Sie beispielsweise an das technologische Dreieck Leuven-Eindhoven-Aachen mit den Universitäten von Lüttich, Hasselt und Maastricht. Außerdem ist dies ein Gebiet mit guten infrastrukturellen Verbindungen und einem attraktiven internationalen Lebens- und Niederlassungsklima.
Die Ausgangsposition unserer Euregio ist damit günstig. Die ersten geologischen und wirtschaftlichen Machbarkeitsstudien sind positiv ausgefallen. Institute und Unternehmen arbeiten bereits intensiv in einem grenzüberschreitenden F&E-Programm zusammen. Das Projektbüro arbeitet an den Studien und Vorbereitungen, die für ein Bidbook erforderlich sind.
Das Projekt befindet sich noch in der Machbarkeitsphase. In dieser Phase muss geklärt werden, ob das Einstein-Teleskop tatsächlich in der Euregio Maas-Rhein gebaut werden kann. In der Machbarkeitsphase werden noch viele Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören beispielsweise geologische Untersuchungen des Bodens, um innerhalb des Suchgebiets den idealen Standort für die drei Eckpunkte zu finden. Gleichzeitig werden alle Aspekte untersucht, die mit dem Bau eines unterirdischen Observatoriums zusammenhängen. Das geht weit über rein bautechnische Fragen hinaus. Wohin wird der ausgehobene Boden gebracht? Wie sieht die Logistik aus? Was bedeutet das für die Umgebung? Kann das Einstein-Teleskop ausreichend nachhaltig gebaut werden? Gibt es ausreichende Zusagen im Bereich der Finanzierung? All dies sind Fragen, auf die derzeit Antworten gesucht werden.
Derzeit haben sich 10 europäische Länder der Initiative für das Einstein-Teleskop angeschlossen. Dabei handelt es sich um Belgien, die Niederlande, Italien, Spanien, das Vereinigte Königreich, Polen, Griechenland, Kroatien, Deutschland und Frankreich. Österreich hat noch eine Beobachterrolle inne.
Diese Länder, die im sogenannten Board of Governmental Representatives zusammengeschlossen sind, werden in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 auf Regierungsebene über den Standort entscheiden.
Die Niederlande, Belgien und Nordrhein-Westfalen arbeiten an einer gemeinsamen Bewerbung. Deutschland (die Bundesrepublik) muss die endgültige Standortwahl noch unterstützen, hat das Einstein-Teleskop jedoch bereits im Juli 2025 auf die Liste der wichtigen wissenschaftlichen Projekte gesetzt.
Im Projektbüro Einstein-Teleskop EMR arbeiten Experten aus verschiedenen Disziplinen und Instituten gemeinsam an Teilen der Machbarkeitsstudie. So wurden beispielsweise die Unterschiede in den planungsrechtlichen Vorschriften und deren Bedeutung für das Einstein-Teleskop-Projekt untersucht.
Auch in den Bereichen Nachhaltigkeit, Bohrungen, seismische Untersuchungen, Beteiligung oder Energie sind gemischte Teams aus den drei Ländern und Instituten aktiv.
Zunächst einmal bemühen wir uns um eine möglichst breite Kommunikation. Dies geschieht über unsere Website, die sozialen Medien LinkedIn und Instagram sowie über den viermal jährlich erscheinenden Newsletter. Mit einer Ausnahme erfolgt diese Kommunikation in vier Sprachen (Niederländisch, Französisch, Deutsch und Englisch).
Darüber hinaus organisieren wir Treffen in Gemeinden unseres Suchgebiets. Manchmal mit einem konkreten Anlass, wie beispielsweise einer bevorstehenden Bohrung. Manchmal ohne Anlass, aber mit dem Ziel, zu erklären, was das Einstein-Teleskop ist und was es für die Region bedeuten kann.
Für einen Beteiligungsprozess ist das Projektbüro eine Zusammenarbeit mit der Universität Hasselt eingegangen, wo viel Fachwissen vorhanden ist. Die UHasselt kann unabhängig ermitteln, wo Wünsche und Bedenken bestehen und wo die Einwohner Chancen sehen. Die Forscher bedienen sich hierfür einer breiten Palette von Möglichkeiten, die von Straßeninterviews über Kontakte zu Interessengruppen bis hin zu Gruppentreffen reichen. Die UHasselt erhält dabei zusätzliche Unterstützung von der Universität Lüttich.
Das Projektbüro pflegt auch Beziehungen zu den Medien, um – indirekt – die Leser und Zuschauer dieser Medien zu informieren.
All dies ändert nichts daran, dass die Einwohner zu gegebener Zeit auch das Recht auf formelle Mitbestimmung mit Einspruchsmöglichkeiten haben, wenn konkrete Genehmigungsanträge vorliegen oder wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt wird.
Derzeit haben sich 11 europäische Länder hinter die Initiative für das Einstein-Teleskop gestellt. Dabei handelt es sich um Belgien, die Niederlande, Italien, Spanien, das Vereinigte Königreich, Polen, Österreich, Frankreich, Kroatien und Griechenland. Deutschland hat als elftes Land derzeit noch eine Beobachterrolle, wird aber voraussichtlich in nicht allzu langer Zeit beitreten.
Diese Länder, die im sogenannten Board of Representatives zusammengeschlossen sind, werden 2027 auf Regierungsebene über den Standort entscheiden.
Die Ausgangslage unserer Euroregion, das Einstein-Teleskop hier anzusiedeln, ist hervorragend. Erste Bodenuntersuchungen scheinen günstig zu sein. Außerdem bietet die ruhige Landschaft die Gewähr für gute wissenschaftliche Messungen. Und die größere umliegende Euroregion verfügt über starke Forschungsinstitute und High-Tech-Unternehmen, die die Wissenschaft und die Realisierung des Einstein-Teleskops ermöglichen. Es handelt sich auch um ein Gebiet mit guter Infrastrukturanbindung und einem attraktiven internationalen Lebens- und Geschäftsklima.
Und was bringt es im Grenzgebiet selbst? Belgien, die Niederlande und Deutschland und insbesondere diese Euroregion, in der das unterirdische Observatorium hoffentlich gebaut wird, werden in der Welt eine führende Rolle im Bereich der Wissenschaft spielen. Die Wissensinfrastruktur in der Euroregion Maas-Rhein ist mit dem Spitzentechnologiegebiet zwischen Leuven, Aachen, Eindhoven, Maastricht und auch mit denen in der Region Lüttich bereits gut aufgestellt, aber sie wird noch um ein Vielfaches stärker sein. In einer sich schnell verändernden Welt, in der die praktische Anwendung von Wissen eine immer entscheidendere Rolle spielt, ist das wichtig. Mit dem Einstein-Teleskop wird auch ein Magnet geschaffen, der Spitzenkräfte im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften in unserer Euroregion hält und anzieht. Und das Einstein-Teleskop wird auch eine Vielzahl von wirtschaftlichen Aktivitäten und Arbeitsplätzen für die Euroregion schaffen. Nicht nur für die Wissenschaft selbst. Es bietet auch Arbeitsplätze für praktisch ausgebildete Menschen in der Umgebung und gibt den regionalen und lokalen Einrichtungen wie dem Einzelhandel zusätzlichen Auftrieb.
Außerdem werden die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten nicht unter der Erde oder in der Landschaft stattfinden, sondern in den Forschungsinstituten und Unternehmen der Euroregion, wo die Vorbereitungen bereits im Gange sind. So zeigen Studien, dass jeder Euro, der in das Einstein-Teleskop investiert wird, einen dreifachen wirtschaftlichen Mehrwert bringt. Davon wird die Region auch in sozialer Hinsicht profitieren. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass die Ankunft des Einstein-Teleskops schätzungsweise 500 direkte und 1150 indirekte Arbeitsplätze auf allen Bildungsebenen schaffen wird. Das Einstein-Teleskop bietet somit Chancen für künftige Generationen. Es ist ein Motor für eine gesunde Euroregion und für Wohlstand, der wiederum zu (mehr) Wohlstand beitragen kann.
Als Euregio Maas-Rhein sind wir nicht der einzige Kandidat für den Bau des Einstein-Teleskops. Auch Sardinien in Italien und die deutsche Region Sachsen haben sich beworben und arbeiten ebenfalls an einer Machbarkeitsstudie.
Die endgültige Entscheidung wird auf Regierungsebene von den europäischen Ländern getroffen, die sich hinter das Projekt Einstein-Teleskop gestellt haben. Das Gremium, das die Standortwahl trifft, und das entsprechende Verfahren müssen noch weiterentwickelt werden. Klar ist jedoch, dass es sich aus Vertretern der Länder zusammensetzen wird, die sich für das Projekt ausgesprochen haben. Das sind derzeit die Niederlande, Belgien, Italien, Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und das Vereinigte Königreich, Griechenland und Kroatien. Österreich hat derzeit Beobachterstatus.
Die Kandidatur liegt in erster Linie in der Verantwortung der teilnehmenden Länder. In unserem Fall sind das Belgien, die Niederlande und Nordrhein-Westfalen/Deutschland.
Auf europäischer Ebene werden Vereinbarungen über die Organisation und Finanzierung zwischen den Ministerien getroffen. Die kandidierenden Länder müssen den anderen Ländern ein attraktives Angebot unterbreiten, auch in finanzieller Hinsicht. Die Bewerberländer und die Standortregion profitieren nämlich auch als Erste von der Infrastruktur, sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich. Die Kosten für den Bau des Einstein-Teleskops wurden vor einigen Jahren auf 2,3 Milliarden Euro veranschlagt. Die niederländische Regierung hat für 2022 über den Nationalen Wachstumsfonds etwa 1 Milliarde Euro für die Vorbereitungen und den Bau reserviert. Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, sich an den Baukosten zu beteiligen, wenn auch die deutsche Regierung in Berlin dem Projekt zustimmt. Flandern hat 500 Millionen Euro für das Einstein-Teleskop reserviert, Wallonien 200 Millionen Euro.
Der Betrieb des Einstein-Teleskops ist für 50 Jahre vorgesehen. Wie sich die Betriebskosten verteilen werden und welche Beiträge von den anderen teilnehmenden Ländern zu erwarten sind, ist noch nicht klar.
Ein Megaprojekt wie das Einstein-Teleskop kostet viel Geld, um die Kandidatur zu ermöglichen. Die Vorbereitungen und der Bau werden auf etwa 2,3 Milliarden Euro veranschlagt. Inflation und steigende Kosten können diesen Betrag noch weiter beeinflussen.
Die kooperierenden Länder müssen sich zu einem Beitrag verpflichten, um diesen Betrag aufzubringen. Die niederländische Regierung hat über den Nationalen Wachstumsfonds etwa eine Milliarde Euro für die Vorbereitung und den Bau reserviert. Flandern hat angekündigt, 500 Millionen Euro für das Einstein-Teleskop zu reservieren, und Wallonien hat dies für 200 Millionen Euro getan. Auch Nordrhein-Westfalen hat seine Unterstützung für den Bau zugesagt, unter der Voraussetzung, dass sich auch die Bundesrepublik Deutschland hinter die Kandidatur in der Euregio Maas-Rhein stellt.
Belgien, Deutschland und die Niederlande haben am 13. Dezember 2022 in Bonn vereinbart, in einer Taskforce gemeinsam an der Bewerbungsmappe und der Bildung eines Gastgeberkonsortiums zu arbeiten, um die Kandidatur zu ermöglichen.
Kurz gesagt, es gibt eine ganze Reihe von Themen, die in der nächsten Zeit durch Forschung weiter vertieft werden sollen. Die Antworten und Ergebnisse werden in das Bewerbungsdossier einfließen, mit dem sich die drei Länder als Kandidaten für den Bau des Einstein-Teleskops präsentieren.
Abgesehen von den Vorteilen, die das Einstein-Teleskop für die Wissenschaft mit sich bringt, gibt es noch weitere Vorteile, die erwähnt werden sollten. Bei der Entwicklung des Einstein-Teleskops werden neue Techniken entwickelt, die uns auch im täglichen Leben nützlich sein werden. Innovationen, die letztendlich zu Fortschritten führen werden, die jedem im täglichen Leben zugute kommen. Frühere Forschungsinfrastrukturen wie das CERN haben diese revolutionären Entdeckungen gemacht, die auch unser tägliches Leben verändert haben. Man denke nur an das Internet, GPS oder medizinische Scanner und Bestrahlungsgeräte. Die Erfahrung zeigt, dass diese eher abgeleiteten Vorteile oft ebenso wichtig sind wie der Nutzen, den das Projekt für die Wissenschaft bringt.
Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die Vorbereitungen für den Bau frühestens 2028 beginnen. Wenn feststeht, dass das Einstein-Teleskop in dieser Region gebaut wird, sind drei Jahre für die Vorbereitungen für den Bau sowie die Raumordnungs- und Genehmigungsverfahren vorgesehen. Für den Bau selbst sind sieben Jahre eingeplant.
Ein großes Bauprojekt wie das Einstein-Teleskop wird nicht ohne Unannehmlichkeiten sein. Da gibt es keinen Zweifel, das ist bei solchen Projekten unmöglich. Wir sind uns bewusst, dass wir ‘Gäste’ in einer wunderschönen, naturreichen Gegend sind. Das bedeutet auch, dass wir dies bei der Ausarbeitung unserer Pläne so weit wie möglich berücksichtigen werden. Außerdem müssen wir natürlich später, wie bei jedem größeren Bauprojekt, Regeln, Vorschriften und Gesetze einhalten.
Sobald der genaue Standort in dieser Euroregion feststeht, können wir konkretere Pläne für den Bau machen. Eine der zentralen Fragen ist dabei, wie die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich gehalten werden können. So läuft beispielsweise eine Logistikstudie über die Nutzung des Rangierbahnhofs in Montzen (Wallonien). Der Transport auf der Schiene würde die Zahl der Lkw-Bewegungen erheblich reduzieren.
Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Es wurde eine explorative Studie durchgeführt, um zu untersuchen, wie Nachhaltigkeit – im weitesten Sinne des Wortes – bei den Vorbereitungen, dem Bau, der Betriebsphase und sogar schon beim Rückbau des Einstein-Teleskops eine Rolle spielen kann. Das Thema „Nachhaltigkeit” wird damit zu einem wichtigen Baustein für die Machbarkeitsstudie.
Das Einstein-Teleskop ist ein sehr empfindliches Messinstrument. Für das ordnungsgemäße Funktionieren des Einstein-Teleskops ist eine geräuschfreie Umgebung wichtig. Erste Untergrundmessungen aus dem Jahr 2019 haben gezeigt, dass die oberste Schicht dämpfend wirkt und damit der Geräuschpegel im harten Untergrund ausreichend gering ist. Dies untermauert die These, dass die Euregio Maas-Rhein ein vielversprechender Standortkandidat ist. Die Messungen haben auch gezeigt, dass es wenig Spielraum für zusätzliche, neue Vibrationsquellen gibt. Frühere Studien haben gezeigt, dass Windkraftanlagen eine wichtige Lärmquelle (sogenannte seismische Auswirkungen) sind.
Aus diesem Grund hat Nikhef, der wissenschaftliche Partner im Projektbüro Einstein Telescope EMR, die zuständigen Behörden im Suchgebiet für das Teleskop gebeten, Garantien abzugeben, dass im Suchgebiet für das Einstein-Teleskop und in einem Umkreis von 10 Kilometern keine neuen Aktivitäten stattfinden, die zu neuen Vibrationsquellen führen könnten.
Auf Antrag von Nikhef hat die (niederländische) Provinz Limburg Vorschriften für Windkraftanlagen und Erdarbeiten erlassen. Windkraftanlagen in und um das Suchgebiet für das Einstein-Teleskop sind ausgeschlossen; Erdarbeiten sind nur möglich, wenn nachgewiesen wird, dass sie das Einstein-Teleskop nicht stören.
Von flämischer Seite wurde per Brief die Bestätigung erhalten, diese Entwicklungen auszuschließen, und es wurde angekündigt, wachsam zu sein, dass solche Entwicklungen in Flandern nicht zur Sprache kommen, und es wurde ein formeller Einsatz gegen laufende Initiativen angekündigt. Auch von wallonischer Seite wurde die Bedeutung erkannt, und die wallonische Regierung wird die technische Vereinbarkeit des Einstein-Teleskops und von Windkraftanlagen untersuchen. Sollte sich herausstellen, dass diese nicht kompatibel sind, würden neue Windenergieprojekte zumindest bis zur Standortwahl für das Einstein-Teleskop ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat der belgische Staatsrat im April 2023 einige Genehmigungen für Windkraftanlagenprojekte im wallonischen Teil des Such- und Schutzgebiets aufgehoben. Seitens NRW wurde zugesagt, dass in der Grenzregion (Aachen) keine Aktivitäten stattfinden werden, die (die Kandidatur für) das Einstein-Teleskop beeinträchtigen könnten.
In der Zwischenzeit wird die komplexe Geologie in Kombination mit anderen relevanten Faktoren in der Euregio Maas-Rhein weiter untersucht, um den optimalen Standort für das Einstein-Teleskop in dieser Euregio zu bestimmen. Es wird erwartet, dass mit diesen Informationen auch die Auswirkungen von Windkraftanlagen besser simuliert werden können. Damit soll auch mehr Klarheit darüber gewonnen werden, wie mitigierende (Schutz-)Maßnahmen eingesetzt werden können, um Störgeräusche für ein gut funktionierendes Einstein-Teleskop zu unterdrücken.
Der Energieverbrauch des Einstein-Teleskops im Betrieb wird für einige Jahre auf den Verbrauch eines durchschnittlichen Krankenhauses geschätzt. Für den Bau des Teleskops wird natürlich auch viel Energie benötigt. Im Auftrag des Projektbüros Einstein-Teleskop EMR untersucht ein Konsortium der flämischen EnergyVille-Partner der Universität Hasselt, der KU Leuven, VITO und imec, wie das Einstein-Teleskop in der Euregio Maas-Rhein nachhaltige Energie nutzen kann. Auch die damit verbundenen Herausforderungen, Chancen und Kosten werden untersucht. Dabei geht es um Fragen wie die Art des dafür erforderlichen Stromnetzes und der Batteriespeicher sowie die möglichst nachhaltige Gestaltung all dieser Komponenten.
Für ein gut funktionierendes Einstein-Teleskop sind Technologien erforderlich, die speziell für diesen Zweck weiterentwickelt werden. Dazu gehören beispielsweise Laser, Vakuumtechnologie und Kühltechnik. Daran arbeiten innovative Unternehmen, Wissensinstitute, Universitäten und Konsortien aus den drei Ländern. Die Entwicklung dieser und anderer Technologien führt zu Wissen und Know-how, das nicht nur für das Einstein-Teleskop, sondern auch in anderen Bereichen genutzt werden kann. Dies wird als „Valorisierung” bezeichnet. Denken Sie beispielsweise an das Gesundheitswesen (Laser in der medizinischen Bildgebung) oder die Klimatisierung (Kühltechniken). Daraus können neue, innovative Aktivitäten entstehen, die Arbeitsplätze schaffen und damit wirtschaftlichen Wohlstand bringen.
Im Vorfeld der Machbarkeitsphase haben Unternehmen in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet, um spezifische Komponenten für das Teleskop zu entwickeln. Einige dieser Projekte laufen noch.
In Belgien arbeiten FWO Vlaanderen, POM Limburg und GRE Liège an der sogenannten Innovations- und Valorisierungsspur. In den Niederlanden liegt diese Aufgabe beim LIOF (Limburgs Innovatie en Ontwikkelings Fonds) und in Nordrhein-Westfalen ist NMWP Management im Auftrag der Regierung von Nordrhein-Westfalen dafür zuständig. Ein Exportkomitee sorgt dafür, dass alle Initiativen miteinander verknüpft werden.
Die Task Force, die im Namen der teilnehmenden Länder den Prozess zur Machbarkeitsprüfung leitet, hat das Projektbüro Einstein Telescope mit der Erstellung eines Bidbooks beauftragt und bevollmächtigt.
Wenn alle Untersuchungen ergeben, dass der Bau des Teleskops machbar ist, wird ein Bidbook erstellt, das schließlich im Namen der drei Länder als offizielle Bewerbung aus der Euregio Maas-Rhein eingereicht wird.
Das Bidbook soll nach der aktuellen Planung spätestens im Dezember 2026 fertiggestellt sein. Inzwischen hat ein dreiköpfiges Bidbook-Team mit den Vorbereitungen dafür begonnen.
Bohrkampagne 2024
Probebohrungen sind Teil der Machbarkeitsstudie. In dieser Studie wird weiter untersucht, ob das Einstein-Teleskop in der Grenzregion zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland gebaut werden kann.
Anhand von Probebohrungen wird ein geologisches Profil des Untergrunds erstellt. Dies liefert unter anderem Informationen über die Zusammensetzung und Stabilität des Untergrunds.
Im Jahr 2024 waren es 11 Bohrungen. Im Jahr 2025 sind es vorerst 3 Bohrungen.
Mit einer Bohranlage werden Gesteinsproben aus einer Tiefe von durchschnittlich 250 bis 400 Metern aus dem Boden entnommen. Die Art und Weise, wie gebohrt wird, lässt sich mit dem Entfernen eines Kerngehäuses aus einem Apfel mit einem Apfelbohrer vergleichen.
Die Proben (Kerne) haben eine Länge von etwa 100 Zentimetern und einen Durchmesser von 10 bis 15 Zentimetern. Diese Stäbe werden registriert und anschließend an anderer Stelle analysiert und gelagert.
Im Prinzip wenig. Wir tun unser Bestes, um umweltfreundlich zu bohren. Dies war eines der Kriterien bei der Auswahl des Bohrunternehmens. Der Durchgangsverkehr wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Die Bohrstandorte sind temporär und in ihrer Größe mit einer Baustelle für ein Wohnhaus vergleichbar. Alle Standorte befinden sich in Außenbereichen.
Das Bohren der ersten Meter kann in den ersten Tagen etwas Lärm verursachen. Sobald die Bohrmaschine tiefer im Boden steckt, ist dies nicht mehr der Fall. Verkehrsmaßnahmen sind nicht oder höchstens für kurze Zeit während des An- und Abtransports der Bohranlage und anderer Geräte erforderlich.
Einschließlich der Einrichtung und des Abbaus des temporären Standorts dauert eine Bohrung durchschnittlich 10 bis 12 Wochen. Davon werden etwa 5 bis 7 Wochen tatsächlich gebohrt.
Die Freisetzung von Stickstoffoxid wird so weit wie möglich begrenzt.
Wo immer möglich, bohren wir mit elektrischen Geräten. Das ist im Allgemeinen schneller, so dass der gesamte Bohrvorgang weniger Zeit in Anspruch nimmt. Das elektrische Bohraggregat wird von einem Generator angetrieben, der Diesel als Kraftstoff verwendet. Um die Emissionen zu reduzieren, verwenden wir die beste verfügbare Technologie in Form eines sparsamen, umweltfreundlichen Generators.
Wir arbeiten auch mit einer Bohreinrichtung auf einem Lastwagen. Hier wird das Bohraggregat durch den Dieselmotor des Lkws angetrieben. Der dabei freigesetzte Stickstoffoxid wird mit einem NoNoX-Filter so weit wie möglich reduziert.
Mit den beteiligten privaten Landbesitzerinnen, Landnutzenden, Gemeinden und anderen Behörden wurden Gespräche über die erforderlichen Genehmigungen, Zulassungen oder Ausnahmen geführt. Dies ist je nach Land und Standort unterschiedlich. Natürlich werden wir erst dann mit den Bohrungen beginnen, wenn dies alles geklärt ist.
Nein, zusätzlich zu den Bohrungen sind auch seismische Messungen und elektrische Widerstandsmessungen geplant. Seismische Messungen arbeiten mit Schallwellen, die harte Schichten im Boden abbilden. Dies ist vergleichbar mit einer Ultraschalluntersuchung im Krankenhaus.
Bei elektrischen Widerstandsmessungen wird mit schwachem Strom der elektrische Widerstand verschiedener Bodenschichten bestimmt. So erhält man ein Bild davon, welche Gesteinsarten zu erwarten sind.
Beide Methoden helfen dabei, die Struktur des Untergrunds weiter zu kartieren.
Während Bohrungen und Bohrlochmessungen ein genaues Bild des Untergrunds am Bohrplatz liefern, ergänzen seismische Messungen und Widerstandsmessungen dieses Bild im Bereich der Bohrplätze.
Zu einem späteren Zeitpunkt werden weitere Bohrungen folgen, die sich dann genauer auf die möglichen drei Eckstandorte konzentrieren werden. In welchem Umfang und an welchen Standorten dann gebohrt werden soll, ist noch nicht bekannt.
Wenn es die Arbeit zulässt, ist dies zu einer Reihe von Zeiten unter der Aufsicht unserer Bauleiter möglich. Wir werden diese Termine, Zeiten und Orte hier veröffentlichen. Diese Zeiten können sich in letzter Minute ändern, daher sollten Sie sich kurz vorher auf der Website informieren.
Einige Missverständnisse über das Einstein-Teleskop:
Derzeit befinden wir uns in der Machbarkeitsphase, in der endgültig nachgewiesen und begründet werden muss, dass diese Region in jeder Hinsicht für den Bau des Einstein-Teleskops bereit ist. Darüber hinaus gibt es mit Sardinien und Sachsen noch einen zweiten und dritten Kandidaten für den Bau des Einstein-Teleskops. Die Entscheidung, wo das Einstein-Teleskop gebaut wird, wird 2027 getroffen. Die Vorbereitungen für den Bau selbst beginnen danach.
Die Antwort darauf ist eindeutig: nein. Das unterirdische Observatorium benötigt einen so stabilen und lärmfreien Boden. Dieser Standort wäre nie in Betracht gezogen worden, wenn in dieser Grenzregion ein erhöhtes Risiko für Erdbeben und damit für Erdbebenschäden bestünde. Auch der Bau und die spätere Nutzung des Teleskops in rund 250 Metern Tiefe im Boden erhöht nicht die Erdbebengefahr. Vergleichen Sie es mit einem harten Stein, in den ein Loch von einer Seite zur anderen gebohrt wird. Dieses Loch ist im Verhältnis zum gesamten Stein sehr klein. Das macht den Stein nicht weicher oder instabiler. So ist auch die Konstruktion des Einstein-Teleskops im Verhältnis zum gesamten Gestein zu sehen. Ein weiterer Vergleich ist ein Autotunnel durch einen hohen Berg, z. B. der Gothard-Tunnel in der Schweiz: Der Tunnel macht den Berg nicht instabil.
Auch ein Vergleich mit Erdbeben in Groningen aufgrund der Gasförderung ist hier nicht möglich. In Groningen befindet sich das Gas unter Druck in einer porösen Schicht tief unter der Oberfläche. Diese Schicht verdankt ihre Festigkeit dem Vorhandensein dieses Gases. Wenn man mit der Förderung des Gases beginnt, wird diese poröse Schicht instabiler, was zu Senkungen und Erdbeben führen kann. Der Boden kann dadurch instabiler werden, wie man leider in Groningen gesehen hat.
Das Einstein-Teleskop lässt sich auch nicht mit dem Bergbau in Südlimburg vergleichen. Beim Bergbau wurden ganze Schichten des Bodens relativ oberflächennah abgetragen. Das ist vergleichbar mit der Gasförderung in Groningen: Wo der Boden in Groningen durch das Abtragen ganzer Gasschichten schwach oder instabil geworden ist, war das Gleiche in der Region Südlimburg durch das Abtragen von Kohleschichten der Fall.
Auch hier können wir klar sagen: Nein. In keiner Weise ist jemals ein Zusammenhang des Einstein-Teleskops mit der Kernenergie diskutiert worden; weder während des Baus, noch während des Betriebs, noch für die Zeit nach der Stilllegung 50 Jahre später.
Wir haben darauf hingewiesen, dass nach dem Bau des Einstein-Teleskops in der unmittelbaren Umgebung nur wenig von dem unterirdischen Observatorium zu sehen sein wird. Die meisten der Menschen, die bald für das Teleskop arbeiten werden, werden zwar in der Euroregion arbeiten, aber nicht in und um das Observatorium selbst. Ein Forschungszentrum wird beispielsweise eher in einer der größeren, umliegenden Städte angesiedelt werden. Die Unterbringung wird sich oft auf diese Städte konzentrieren. Darüber hinaus unterscheiden sich auch die räumliche Anordnung und das Wohnungsangebot in der Grenzregion zwischen den drei Ländern. Der Wohnungsmarkt wird natürlich bis 2035 beobachtet werden, und es gibt noch viel Spielraum, um dies zu steuern.